Handwerk wirbt um junge Migranten
Die Handwerksbranche hat sich ein hohes Ziel gesetzt: Jugendliche mit Migrationshintergrund anwerben, um dem Mangel an Fachkräften in Deutschland vorzubeugen. "Da schlummern Potenziale, die wollen wir nutzen", erklärt Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

Für die Zielgruppe ist diese Nachricht natürlich enorm wichtig und von großem Interesse. "Man kümmert sich wieder verstärkt um uns, das gefällt mir sehr. Hat ja auch lange gedauert", lacht der 16-jährige Agostino aus Essen, der gerade seinen Hauptschulabschluss macht. Er kann sich auch durchaus vorstellen im Handwerk tätig zu werden: "Technik ist mein Lieblingsgebiet, da fühle ich mich pudelwohl. Mein Ziel ist es, im handwerklichen Bereich einen Beruf auszuüben. Ich suche mir da schon Unternehmen aus, um meine Bewerbungen loszuschicken."
Solche Motivationsschübe hört das Handwerk sicher gerne. Appelle in diese Richtung gibt es im "Integrationsatlas des Handwerks" ebenfalls. Hier wird aber nicht nur mit dem markigen Titel "Der Meister der Zukunft ist ein Türke" die besondere Position von Menschen mit Migrationshintergrund aufgezeigt, sondern auch ein demografischer Wandel betont, der es schwieriger werden lässt, Angehörige der Mehrheitsgesellschaft für eine handwerkliche Ausbildung zu begeistern. Im Integrationsatlas wird berichtet, dass die Gruppe der Migranten hierbei offensichtlich ein Potenzial zur Nachwuchssicherung im Handwerk darstellt.
Dem Integrationsatlas zufolge bildet das Handwerk gegenwärtig prozentual mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund aus, als alle anderen Branchen. Die Quote der Lehrlinge liegt bei 4,8 Prozent, bei Handel und Industrie bei 3,7 Prozent und im Öffentlichen Dienst bei 1,7 Prozent.
"Schon krass, dass so viele Plätze frei bleiben"
"Die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) engagiert sich seit vielen Jahren in der beruflichen Förderung von Migrantinnen und Migranten. Betriebe und Organisationen setzen sich aktiv dafür ein, die Ausbildungs- und Erwerbsbeteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund vor Ort zu stärken und die Chancen einer vielfältigen Belegschaft in Wirtschaft und Gesellschaft zu verankern", stellt Otto Kentzler fest, der im Handwerk weiterhin einen großen Lehrlingsmangel entgegen sieht. In Zahlen: Über 10.000 Ausbildungsplätze konnten im Jahr 2008 nicht besetzt werden.
Für den 15-jährigen Ibrahim aus Duisburg ist diese Zahl ein Hohn: "Es ist schon krass, dass so viele Plätze frei bleiben. Hoffentlich habe ich Glück und kriege einen Platz." Für den Realschüler wäre ein Beruf im Handwerk ebenfalls ein Glücksfall, wie eben auch für Agostino. Der erst 14-jährige Giovanni hingegen ist sich ziemlich sicher einen Platz zu kriegen: "Ich bin technisch sehr gut und meine Noten in der Schule sind auch gut. Wichtig ist doch auch, dass man ganz gut Deutsch kann und nicht nur Technisch gut ist. Viele achten doch darauf, dass man die Sprache sehr gut beherrscht. Meine Eltern sagen mir auch immer wieder, dass ich Deutsch fließend sprechen muss, um beruflich erfolgreich zu sein."
Das Handwerk ist aktiv. Das Ziel mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund für die Branche zu begeistern ist im vollen Gange. "Wir gehen in Schulen, informieren gezielt Eltern und Schüler mit Migrationshintergrund und arbeiten mit Migrationsverbänden zusammen", so Kentzler, der auch erklärt, dass "Nachqualifizierungen angeboten werden – vielfach mit einer berufsspezifischen Sprachförderung." Damit die Sprache nicht weiter eine Blockade für junge Menschen mit Migrationshintergrund darstellt.