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"Wirtschaftlich hat der Rap noch großes Potential"

Für die Jugendlichen ist er ein großes Vorbild: Ekrem alias "Eko Fresh" stürmte mit "König von Deutschland" die Charts. Im Exklusiv-Interview erzählen sein Freund Bero Bass und er von ihren Anfängen.

© Mixopolis
Eko am Arbeitsplatz: "Aktuell bleibe ich doch sehr gerne im Hintergrund."

Eko, du bist aktuell mehr als Produzent unterwegs. War das schon immer dein Ziel?
Eko: Ja, genau so war es. Ich habe ja schon seit mehr als drei Jahren ein kleines Label. Es steckt auch irre viel Arbeit dahinter, um solch ein Label zu platzieren. Jetzt kommen auch die ersten Erfolge, was mich natürlich sehr stolz macht. Es ist schon Hardcore, wenn man andere Leute produziert, obwohl man selbst vor wenigen Jahren als Sänger aktiv war. Es ist wie eine Berufung für mich und ich bin gerne als Produzent tätig. Ich liebe es einfach, anderen Menschen zu helfen. Es macht mir aktuell viel mehr Spaß im Hintergrund die Fäden zu ziehen, denn da sieht man den Erfolg der Arbeit noch viel eher.

Als Sänger nicht?
Eko: Wenn man selbst singt, dann ist man klar vornehmlich mit dem Herzen dabei und als Produzent doch eher mit dem Kopf. Und das hilft bei der Arbeit.

Wie hat es bei dir mit dem Rap angefangen?
Bero: Das ich rappen will, stand für mich schon sehr früh fest. Wir haben uns, wie sicher viele andere auch, von den US-Rappern von der Westküste inspirieren lassen. Unsere Anfänge hatten wir auch in Battles, die wir veranstaltet haben. Später haben wir Eko kennen gelernt, als er neu nach Köln gezogen ist. Seit dieser Zeit arbeiten wir zusammen.

Und bei dir?
Eko: Das liegt jetzt zehn Jahre zurück: Auf meinem 15. Geburtstag war auch Kool Savas anwesend. Er war schon damals mein Mentor. Er galt in der Szene zu jener Zeit als Geheimtipp, dem Mainstream war er noch nicht ganz so bekannt. Ich war auch einer der wenigen jungen Türken, die damals zu deutschem Hip-Hop gefeiert haben. Für viele meiner Freunde war das ungewöhnlich.


"Habe wohl einen guten Riecher bewiesen"

Über Eko:
Eko wurde am 3. September 1983 in Mönchengladbach geboren. Er besuchte bis zur 10. Klasse das Gymnasium, verschrieb sich danach völlig dem Rap. Seinen ersten Hit landete er mit "König von Deutschland" (2003). Sein letztes Album "Ekaveli" erschien 2007.

Fühltest du dich als Außenseiter?
Eko: Der deutsche Hip-Hop war noch vor 10 bis 15 Jahren weit davon entfernt zu einem festen Bestandteil der Jugendkultur zu werden. Ich wurde auch als Außenseiter angesehen. Wenn ich zu Partys dann mit meinen Platten ankam, dann sagten meine türkischen Freunden immer: Mensch Eko, was machst du da? Aber im Endeffekt muss ich sagen, dass ich wohl doch einen guten Riecher bewiesen habe, indem ich dem deutschen Hip-Hop treu blieb.

Viele Rapper orientieren sich in Gruppen. "Einzelkämpfer" sind rar geworden. Wie wichtig ist solch ein Zusammenhalt?
Bero: Du brauchst einen Zusammenhalt innerhalb der Musikbranche. Alleine hast du fast keine Chance, weil du stets blockiert wirst. In Köln sind wir 15 Mann, die allesamt Künstler und miteinander befreundet sind. Wir arbeiten als Team einfach sehr gut zusammen. Das passt bei uns!

Eko: Wir sind alle Kölner und haben denselben Lebensweg. So etwas schweißt natürlich zusammen. Aufgrund dieser Freundschaften bin ich auch froh, wieder in Köln zu sein. Ich lebe zudem in einem Stadtteil, wo es einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund gibt. Viele würden es als Ghetto bezeichnen. Ist mir aber egal.


"Man sollte seiner Rolle als Vorbild gerecht werden"

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Sehr gute Freunde und ein starkes Team: Eko und Bero Bass

Du machst einen sehr ruhigen Eindruck. Sind die hektischen und mit Wortgefechten versehenen Tage vorbei?
Eko: Man wird älter und mit der Zeit eben ruhiger und relaxter. Einige aktuelle Sachen hätten mich vor vier Jahren vielleicht massiv in Rage gebracht, aber heutzutage bewerte ich dies alles anders. Ich betrachte jetzt viele Dinge aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Das "Dissen" gehört ja schon fast zum guten Ton beim Rap. Jeder disst nahezu jeden. Du hast diese Erfahrungen auch gemacht. Ist das noch dein Ding?
Eko: Dissen liegt mir nicht mehr. Ich wurde von allen gedisst und habe selbst zurück gedisst. Diese Verbalangriffe sind nichts mehr für mich.

Aber ist doch schon eine tolle PR-Variante, oder?
Eko: Wenn man es geschickt macht, dann kann es marketingtechnisch gut sein, um seine Platte interessanter zu machen. Aber in meinem Fall war dies gar nicht so. Mein Diss-Track kam als Free-Track raus, weil es mir damals um die Ehre ging. Heute würde ich das alles aber anders machen.

Als Musiker nimmt man Jugendlichen gegenüber auch eine Vorbildfunktion ein. Wie wichtig ist euch das?
Bero: Es ist mir schon wichtig, wie die Jugendlichen sich entwickeln. Ich habe hier in Köln fast täglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun. Sie respektieren mich als "großen Bruder" und ich helfe ihnen sehr gerne dabei, kleinere oder größere Konflikte friedlich zu lösen. Das ist mir sehr wichtig, dass man sich als Erwachsener, der von den Kleineren als Vorbild angesehen wird, seiner Rolle gerecht wird und sich Zeit für die Jugend nimmt. Das darf nicht nur verbal in den Medien geschehen, sondern man sollte sich in der Praxis wirklich auch die Zeit nehmen, sich um die Jugendlichen im eigenen Umfeld zu kümmern und ihnen wichtige Tipps mit auf den Lebensweg geben.

Wie sehr beeinflusst euch diese Einstellung, wenn es darum geht coole und "heftige" Tracks zu machen?
Bero: Natürlich denkt man auch an die Vorbildfunktion, wenn man Tracks macht. Aber Rap muss auch authentisch und stilistisch gut gemacht sein. Da wäre eine pädagogisch angehauchte Sprache wohl weniger förderlich. Das würden auch die Jugendlichen nicht akzeptieren. Sie wissen schon ganz genau, welche wichtigen Messages wir mit unseren Tracks vermitteln möchten. Bestimmte Sprachelemente gehören nun einmal zum Rap dazu.


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Hier geht's zum 2. Teil des Interviews

 
 
 

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