E-Mentor Frederic: "Meine Berlin-Reise"
Ich war fünf Tage bei einem Migrationsseminar in Berlin. Dabei lernte ich verschiedene Stadtteile mit ihren Menschen kennen. Wir haben uns besonders die Stadtteile angeschaut, in denen eine hohe Arbeitslosenquote herrscht, und in denen viele Menschen einen Migrationshintergrund haben.

Das Ziel dort: Möglichst vielen Jugendlichen eine Chance zu einer "guten" Zukunft zu geben. Doch um dieses Ziel zu erreichen, muss man als Grundvoraussetzung zuerst die Probleme erkennen. In Gesprächen mit Streetworkern stellte sich heraus, dass es einige Probleme gibt, die wohl durch den Migrationshintergrund verursacht werden. Die Eltern - und vor allem die Väter - sind teilweise arbeitslos und sitzen oft den ganzen Tag in Teestuben. Die Frau "bringt dort dann das Geld nach Hause". Daher sind grade männliche Jugendliche dort mehr von dem Problem der "Zukunftslosigkeit" geplagt, da ihnen das Vorbild fehlt. Zudem gibt es Probleme in der Pubertät, denn grade in dieser Zeit sucht man nach sich doch selbst und nach dem Ort, wo man hingehört. Doch diese Jugendlichen dort haben das Gefühl, dass sie nicht wirklich nach Deutschland, und auch nicht wirklich in ihre ursprüngliche Heimat passen. Das macht alles nicht wirklich einfacher.
Doch wie kann man diesen Jugendlichen helfen? Wie kann man es schaffen, dass sie ein Teil der Gesellschaft werden und sich ein wenig so fühlen, dass sie hier ihre Heimat haben? Dafür ist es wichtig, dass sie versuchen, ein Sprungbrett in ihre ganz persönliche und gute Zukunft zu finden. Hier setzen die Streetworker an: Sie gehen auf die Jugendlichen zu und laden sie zum Reden ein. Das funktioniert nicht unbedingt von Anfang an. Vertrauen spielt hier eine große Rolle. Dieses aufzubauen kann sich teilweise über Monate hinziehen. Vielen Jugendlichen wurde so aber schon geholfen. Die Streetworker leisten also gute Arbeit vor Ort.
Sie wollen aber eben nicht nur bei Problemen helfen. Sie wollen den Jugendlichen auch eine Möglichkeit geben, ihre Freizeit zu gestalten, da viele von ihnen von den nahen Jugendzentren ausgeschlossen wurden. So versuchen sie, mit den Jugendlichen etwas gemeinsam zu machen. Wichtig ist den Streetworkern hierbei, dass die Jugendlichen die Initiative ergreifen: Wenn sie zum Beispiel gemeinsam Grillen wollen, sollen sie selbst planen und selbst Verantwortung dafür übernehmen. Es gibt sogar in einzelnen Stadtbezirken Fußballmannschaften. Das gemeinsame Fußballspiel ist eine gute Möglichkeit Fairplay zu erleben, und auch einmal andere mit ihren eigenen Geschichten kennen zu lernen. Obwohl viele dieser Geschichten traurig klingen, haben sie mich sehr beeindruckt und ich bin begeistert von den Streetworkern, die dort ihre Arbeit so professionell machen. Die Jugendlichen sind bei ihnen gut aufgehoben.
Ein STASI-Gefängnis und seine Geschichte
| Eine Woche zum Nachdenken: |
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| Diese Woche hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich kann es kaum in Worte fassen. Ich hoffe, dass dieser kurze Erlebnisbericht einen kleinen Eindruck davon gibt, was ich in Berlin erlebt habe. Wenn du mehr wissen möchtest, nutze einfach die Kommentarfunktion ganz am Ende dieses Artikels - ich freue mich. In der Bildergalerie unten findest du einige Fotos von Berlin. Schau einfach mal rein. |
In den beschriebenen Bezirken besteht ein ganz besonderes Flair. Man hat den Eindruck, jeder kennt jeden und man geht sehr nett miteinander um - ähnlich wie in einem kleinen Dorf. Es gibt - wie auch überall - Probleme. Aber das "gute" an Problemen ist, dass es dafür immer mindestens eine Lösung gibt, wenn man nur entschlossen ist, danach zu suchen und sie zu finden.
Wenn man in Berlin ist, kommt man natürlich nicht drum herum, einmal in den Bundestag zu gehen und durch das Brandenburger Tor zu schreiten. Doch vor mehr als zwanzig Jahren war dies noch nicht möglich. Die Mauer, die den Osten und Westen trennte ließ kein Durchkommen zu. Eine Mauer, die nicht nur zwei Flächen, sondern zwei ganz verschiedene Welten und Menschen trennte.
Wir hatten die Möglichkeit, ein ehemaliges STASI-Gefängnis von innen anzuschauen: Es war eines der interessantesten Erlebnisse, die ich bisher hatte. Das Gefängnis wurde auf dem Grund einer ehemaligen Großküche gebaut - einfach eine kleine Mauer herum. Man versuchte, alles möglichst unauffällig zu halten und das gelang auch. Die Menschen, die in den umliegenden Häusern wohnten, wussten tatsächlich nicht, was dort war und was dort geschah - unglaublich, oder?
Die Bildergalerie zum Durchklicken
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BILDERGALERIE: Frederics Reise |
Zu Beginn wurden die Inhaftierten in kleine Zellen gesperrt und mit Kälte, Lichtentzug und Gewalt "gefügig" gemacht. Ein Neubau brachte dann ganz neue Möglichkeiten: Die Gefangenen wurden psychologisch unter Druck gesetzt. Man versuchte, die Persönlichkeit zu "brechen". Die Gefangenen wurden isoliert. Sie sahen keinen anderen Gefangenen und wussten nicht einmal, wo genau sie waren. Und wenn mal einer zum Arzt musste, wurde er mit einem blickdichten Lastwagen ein paar mal um das Gefängnis herum gefahren und dann auf dem gleichen Gelände wie vorher zu einem Arzt gebracht.
Schockierende Berichte, die ich auf meiner Berlinreise erfahren durfte. Es stimmt sehr nachdenklich. Trotzdem war meine Reise sehr, sehr schön und ich kann jedem nur empfehlen, sich Berlin auch einmal anzuschauen - vor allem einmal fern ab von allem Tourismus und Trubel.
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Wollte nur einmal schauen, ob es auffällt ;o) Freddy, 04.03.2009 18:10
Es wurde bei uns in der Schule angeboten mitzufahren. Organisiert wurde das ganze dann vom Gsi-Bonn. Ich fand, dass es sich einfach spannend angehört hat und ich muss nun sagen, dass es noch spannender war als erwartet. ;o)
Wenn ihr mal die Chance habt so etwas einmal zu machen, dann macht mit, denn es ist echt toll!
Einfach so? Wajet, 02.03.2009 15:14
Stimmt, das fehlt als Info. Wer, warum und weshalb 
Da wüsste ich gerne mehr... Monika Weissenfels, 27.02.2009 09:04
Hey Frederic,
mich würde interessieren, was das genau für eine Reise war, bzw. wer der Veranstalter war? Denn das klingt ja schon ziemlich cool, was du erzählst!
Ich bin Ende März auch in Berlin und hatte mir eh vorgenommen, nicht nur Touriprogramm zu machen, sondern auch die "Stimmung" der einzelnen Stadtteile mitzunehmen. Dein Bericht hat mich darin nochmal bestätigit. 