Die Türkei
Der deutsche Politiker Cem Özdemir schreibt ein Buch über die Türkei - und der türkische Deutschlehrer Nurittin aus Ankara hat es für Mixopolis rezensiert!

Bis jetzt habe ich deutsche Bücher über die Türkei gelesen, die von Deutschen geschrieben wurden. Oder Bücher, in denen auch die Türken, besonders die türkischstämmigen Jugendlichen eine Rolle spielen. Das Buch von Cem Özdemir ist aber das erste Buch, das von einer Person geschrieben wurde, deren Familie aus der Türkei nach Deutschland gegangen ist. Cem Özdemir ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Er lebt immer noch in Deutschland, macht Politik - und zwar in einer sehr wichtigen Position. Wie soll man ihn nun bezeichnen? "Deutsch-Türke", "Deutschländer" oder "Deutscher" ? Alle Begriffe beschreiben nur einen Teil seiner Identität. Er ist alles. Aus diesem Grunde sollte man ihn nicht mit einem dieser Begriffe bezeichnen. Und deshalb soll man sein Buch in einer solchen Perspektive analysieren!
Cem Özdemir betrachtet die Türkei mal von innen, mal von außen. Das ist sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil für das Buch. Was in der Türkei, oft nicht bemerkt wird, kann er von außen besser beobachten. Aber manches kann er nun einmal nicht so gut analysieren wie ein "Inländer", weil er die Entwicklungen nicht aktiv erlebt. Die Situation in den Großstädten kann nicht auf alle Stadtteile und Dörfer übertragen werden. Zum Beispiel kann man in manchen Dörfern oder Stadtteilen im Fastenmonat Ramadan auf der Straße nicht essen - auch wenn man nicht fastet. Viele Restaurants sind am Tage entweder wegen der Fastenzeit oder mit der Ausrede "Renovierung" geschlossen, aber nach dem Fastenbrechen bis zum Morgengrauen (Fastenbeginn) geöffnet.
Der Blick von außen
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Özdemir schreibt in seinem Buch über die Türken in Deutschland, über die Geschichte der Türkei, über die Türkei und ihre Nachbarn, über die Beitrittsbestrebungen der Türkei der EU, über die Religionen und Konfessionen in der Türkei, über die (ethnischen, reliösen, sexuellen usw.) Minderheiten in der Türkei, über das Bildungsystem der Türkei, über die Demokratie und staatliche Gewalt, über die Umweltfragen und den Tourismus. Im Anhang gibt es ein Wörterbuch, eine Zeittafel für die Türkei und eine Liste der Feiertage in der Türkei.
Meine persönliche Meinung
Weil Cem Özdemir einige wichtige Punkte (z.B. die Neuorientierung der Türkei) nicht thematisiert, scheint mir persönlich sein Buch etwas zu oberflächlich.
Dennoch habe ich das Buch mit großem Interesse gelesen. Ich teile viele seiner Meinungen. Besonders wichtig finde ich seine Anmerkung im Vorwort:
"Mein Buch über die Türkei ist aus der Sicht eines in Deutschland geborenen Deutsch-Türken geschrieben, dessen Eltern als frühere Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind und der selbst als Politiker immer wieder mit den hier behandelten Themen zu tun hat. (...) Das Buch gibt keine fertigen Antworten auf alle Fragen, sondern spricht sensible Themen an, bietet eine Menge Informationen, vor allem aber persönliche Geschichten, die den schwierigen Problemen ein menschliches Gesicht verleihen. Und die dazu einladen sollen, die Themen einmal mit den Augen der anderen zu betrachten. Es soll anregen, noch immer Fragen zu stellen und selbst weiterzulesen."
Das Buch von Cem Özdemir "Die Türkei" macht das wirklich gut!
Die Türkei
(256 Seiten)
von: Cem Özdemir
Verlag: Beltz
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