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"Die Eltern sind die wichtigsten Berufsberater"

Bülent Arslan ist 35 Jahre alt, politisch engagiert und beim Thema "Integration" ein leidenschaftlicher Gesprächspartner. Der Unternehmer versucht sowohl als Vorsitzender des Deutsch-Türkischen Forums (der CDU) als auch der Beratungsfirma "imap" die Interkulturalität in Deutschland noch transparenter zu machen.

Bülent Arslan

Herr Arslan, Migrantenorganisationen fungieren als Vermittler zwischen den Kulturen. Wo können Kooperationen entstehen?
Migrantenorganisationen sind insofern sehr wichtig, weil viele Träger und die Integrationsarbeit in Deutschland Schwierigkeiten haben, eine große Migrantengruppe zu erreichen. Die Erfahrung machen wir auch als Imap, dass die Kommunen nur an eine kleine Gruppe von Migranten herankommen. Die Migrantenorganisationen versammeln eine große Breite von Migranten. Dann muss man sagen, dass es eine Tendenz gibt, dass ein Großteil derjenigen Migranten, die Integrationsschwierigkeiten haben, in diesen Organisationen vernetzt ist. Über die Migrantenorganisationen habe ich den Vorteil, an einen Großteil dieser Zielgruppe heranzukommen.

Klingt positiv.
Die Migrantenorganisationen haben aber die Schwierigkeit, dass sie selbst zu wenig Erfahrung in Integrationsarbeit oder Sozialarbeit und zu wenige Ressourcen haben. Wenn man die Träger, die Ressourcen und Know-How haben, mit den Trägern verbindet, die an die Menschen herankommen, dann sehe ich Chancen, wie Kooperationen fruchten können.

Welchen Herausforderungen sehen sich Migrantenorganisationen gegenüber?
Sie haben einfach zu wenige Ressourcen. Die großen Migrantenorganisationen haben sich bis jetzt sehr stark darauf konzentriert, die Infrastruktur aufzubauen, das heißt Gebäude kaufen und Gebäude errichten. Diese Phase ist fast abgeschlossen und jetzt sollten die Organisationen weniger in Beton investieren sondern mehr in die Menschen.


"Informationslücken bestehen an zwei Ecken"

Bülent Arslan über Mixopolis:
"Mixopolis kann die Informationslücken schließen und informiert über interkulturelle Aspekte."

Wie können Migrantenorganisationen die beruflichen Kompetenzen von Migrantenjugendlichen fördern?
Ganz wichtig: die Migrantenorganisationen sollen die Eltern und die Jugendlichen über den Ausbildungs- und Berufsmarkt informieren und aufklären. Gerade die Eltern, die nicht in Deutschland ihre Schulzeit und ihre Ausbildungszeit durchlebt haben, haben zu wenig Know-How und fehlen den Jugendlichen deswegen als Berufsberater. In den erfolgreichen Biographien ist es in der Regel nicht so, dass die Jugendlichen selbst oder die Arbeitsagentur die wichtigste Stütze sind, sondern die Eltern. Die Eltern sind die wichtigsten Berufsberater und in diesen Familien fallen die Eltern als Berufsberater oft weg. Diese Lücke muss man schließen.

Das interkulturelle Online-Portal Mixopolis richtet sich an Jugendliche und ihre Lebens- und Berufsorientierung. Was erwarten Sie von Mixopolis?
Die Informationslücken zu schließen. Informationslücken bestehen an zwei Ecken. Das eine ist, dass die Jugendlichen sich zu sehr ein sehr enges Berufsspektrum konzentrieren. Das sind wirklich die Klassiker und dann noch nach Männlein und Weiblein getrennt. Das müsste verändert und ausgeweitet werden. Da gibt es eine Reihe von interkulturellen Aspekten, wo es Unterschiede gibt.

Haben Sie ein Beispiel?
Migrantenfamilien richten zum Beispiel ihre Kinder bei der Berufsorientierung sehr stark danach aus, was gut ankommt in der Community und nicht so sehr darauf, was ihr Kind eigentlich kann. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, der auch mit der Tradition aus den Herkunftsländern zu tun hat. Über solche interkulturellen Aspekte könnte ein Portal informieren. Zum Beispiel wenn sie mit Eltern sprechen, die Grundschulkinder haben, die werden alle sagen, ihre Kinder sollen studieren. Bei den Kindern, die auf das Gymnasium kommen, sind die Eltern sehr stolz und stehen dahinter. Bei den Realschülern passiert es vielleicht noch, dass sie sagen: "Mensch du musst dich anstrengen damit du danach Abitur machst und studierst." Aber in dem Moment, wo man merkt, das wird nichts mit der akademischen Laufbahn, geben die Eltern zu schnell auf. Das ist natürlich eine ganz falsche Perspektive. Wenn ich einfach ein Kind habe, das handwerklich begabt und interessiert ist, bringt es überhaupt nichts, das Kind mit der Brechstange zum BWL Studium zu bewegen.


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