Virtuelle Welten zum Greifen nah
Messen werden zu jedem nur erdenklichen Thema veranstaltet: Autos, Bücher, Elektronik, Lego etc. Auch die Computerspielindustrie ist längst auf diese Idee gekommen. Wer hier allerdings nichts als lange Reihen flimmernder Monitore in dunklen Hallen erwartet, vor denen still in sich versunkene, bebrillte Jungs sitzen, hat sich getäuscht.
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| Spielemessen sind immer gut besucht |
Man hört sie schon, bevor man die erste Halle überhaupt betreten hat. Besonders ohrenschonend sind sie nicht, die Computer- und Videospielmessen. Von jedem Stand schallt eine andere Musik, ein anderer Sound herüber, mit dem Bemühen alle umstehenden an Lautstärke zu übertreffen. In diese Geräuschkulisse mischen sich zusätzlich die Musik und die Sounds der Spiele. Überall versuchen Bildschirme, Scheinwerfer, Aufsteller und bunte Dekorationen das Interesse der Messebesucher zu wecken.
Die Stimmung gleicht ein wenig, der auf einer Kirmes. Vorfreude, Spannung und Entdeckermienen sind in den Gesichtern der Besucher zu finden, die sich in Scharen in dieses kunterbunte Treiben stürzen. Die meisten sind recht jung: Jugendliche und junge Erwachsene bis ungefähr Dreißig. Seltener sieht man auch die höheren Altersklassen vertreten und wenn eher als Begleitung ihrer spielebegeisterten Sprösslinge. Was jedoch nicht unbedingt heißen soll, dass sich Papa weniger für die neuesten Ankündigungen der führenden Spielehersteller wie Blizzard oder EA interessiert, als seine Söhne. Hier und da beobachtet man, wie der Nachwuchs um den fasziniert auf den Bildschirm blickenden Vater herumsteht und diesen nur schwer dazu überreden kann, den Sitzplatz an einem der Test-PCs für seine Kids zu räumen. Und in einigen Bereichen, wie beispielsweise an den Wii-Ständen von Nintendo, findet man wirklich jedes Alter gleichermaßen begeistert.
Auf Altersgrenze wird geachtet
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| Die üblichen Verdächtigen sind der Hit |
Das Alter der Besucher hat auch ganz praktische Auswirkungen auf den Aufbau einer solchen Computerspielemesse. Jedes Spiel trägt eine von der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) vergebene Altersfreigabe. Daher sind die Stände in verschiedene Zonen unterteilt, die diesen Altersfreigaben entsprechen. Insbesondere der Zugang zu den "Ab 18"-Bereichen wird dabei gut überwacht - sehr zum Ärger einiger Jugendlicher, denn einige der Top-Titel fallen in diese Kategorie. Da sich aber kein Hersteller Ärger wegen missachteten Jugendschutzes leisten kann, gibt es keine Ausnahmen: Wer noch keine 18 Jahre alt ist, muss draußen bleiben.
Eins fällt jedoch unabhängig vom Alter auf: Die Jungs sind immer noch deutlich in der Überzahl, nur ungefähr ein Viertel der Besucher ist weiblich. Allerdings sind nur noch die wenigsten Mädels als reiner Anhang ihrer jeweiligen Freunde auf der Messe unterwegs. An den Rechnern zeigen sie ebenso wie durch ihre Gesprächsthemen, um was es ihnen hier geht: Ums Zocken! Und das machen sie genau so gerne wie die anwesenden Jungs. Nur ist diese Tatsache offensichtlich noch nicht ganz zu den Spieleherstellern an ihren Ständen durchgedrungen. Die optischen Reize, mit denen das junge männliche Publikum angelockt werden soll, sind vielzählig, sind in der Regel weiblich und haben meist gemein, dass sie alle superknappe Hot-Pants tragen: Jeder Hersteller, der etwas auf sich hält, hat eine Vielzahl gutaussehender junger Damen, die so genannten Messe-Babes, auf der Bühne, im Ausstellungsbereich oder in der näheren Umgebung des Standes flanieren, die durch freundliches Lächeln und knappe Klamotten Besucher an den Stand locken sollen. Aber nach einem Messe-"Boy" sucht man vergebens. Wohin man auch blickt, man findet nur Xenas, aber keinen Conan am Stand des gleichnamigen Online-Rollenspiels. Und auch in den regelmäßig stattfindenden Bühnenshows an den großen Ständen werden fast immer nur die "Jungs" angesprochen. Schade, denn gerade die Mädchen und jungen Frauen sind es, die viele Spielehersteller als neue Zielgruppe gewinnen wollen. In dieser Richtung müssen sie also noch einiges dazulernen.
Lange Wartezeiten nimmt man in Kauf
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| Testrechner sind natürlich heißbegehrt |
Eine der interessantesten Optionen, die sich einem an den Ständen bieten, ist ohne Frage das Antesten und Ausprobieren der neuen Spiele. Den Andrang, der vor den Rechnern mit den beliebtesten Spielen herrscht, kann man problemlos als Wegweiser benutzen, um kein wichtiges Spiel zu verpassen. Voll ist es meist an den Ständen, die neue Online-Rollenspiele anbieten. Oft bekommt man hier außerdem eine kostenlose Probeversion, die viele Besucher gerne mitnehmen. Auch an den Ständen, die Fun-Games für den Freundes- oder Familienkreis anbieten, wie Singstar oder Guitar Hero, ist es meist sehr voll. Hier haben die Konsolenhersteller oft die Nase vorne. Dann gibt es natürlich die blitzenden und blinkenden Grafikmonster, meistens Shooter oder Taktik-Shooter, die die Besucher wie magisch anziehen. Hier stellt sich neben der Bewunderung der Grafik oft auch die Frage, wie tauglich ein solches Spiel für den eSport, die Computerspieleligen, ist. Da einige dieser Spiele in die "Ab 18"-Sparte fallen und diese Bereiche meist nicht ganz so geräumig sind, wird es hier allerdings noch enger.
Und zu guter Letzt gibt es auf jeder Messe noch ein bis drei Favoriten, auf die die gesamte Spielergemeinschaft bereits fieberhaft wartet. Spätestens hier zeigt sich auch, dass selbst die härtesten Gamer im Grunde recht wohlerzogene Söhne und Töchter sind: Für absolute Toptitel wie beispielsweise Starcraft II von Blizzard steht man als Fan ohne Murren auch schon mal weit über eine Stunde in der Schlange, bis man überhaupt in die Nähe eines Testrechners kommt. Ob sich diese lange Warterei lohnt, muss letztlich jeder für sich entscheiden. Die meisten Besucher sind sich jedoch einig: Um das heiß ersehnte Spiel bereits Wochen oder sogar Monate vor dem Erscheinungstermin einmal antesten zu dürfen, ist es ein kleiner Preis.