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Arabboy - Das kurze Leben des Rashid A.

"Güner Yasemin Balci weiß, wovon sie schreibt", meint Helena Sabbagh in ihrer Buchrezension. "Das Buch ist düster, aber flott geschrieben."

Rashid, Sohn einer libanesisch-palästinensischen Familie, lebt im Rollbergviertel in Berlin Neukölln. In dem von Gewalt, Arbeitslosigkeit und Kriminalität geprägten Kiez haben die meisten Bewohner türkische oder arabische Wurzeln, ihre Eltern oder Großeltern sind seit den 60er Jahren als Arbeiter oder Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. "Arabboy", wie sich Rashid selbst in Internet-Foren nennt, scheint eines Tages das große Los gezogen zu haben: Aabid, einer der meistgefürchteten Unterwelt-Größen, stellt ihn als Fahrer ein. Er gehört damit zur Welt der sogenannten "Mega-Checker", wird Vorbild für die vielen anderen Jungs, die nichts lieber täten, als ebenfalls in die Hierarchie des Verbrecherclans einzusteigen.

Güner Yasemin Balci, Journalistin und das jüngste Kind türkischer Einwanderer, hat in ihrem Buch "Arabboy" die Geschichte Rashids aufgeschrieben. Sie musste Namen und Umstände verfremden, damit sie sich, ihre Familie und andere nicht gefährdet.

Denn es geht hart zu in dem Milieu, dass sie so schonungslos beschreibt: Mädchen und Frauen gelten entweder als Huren oder Heilige, weshalb sie ständig gefährdet sind, zur Zielscheibe von Rufmorden, Gewaltexzessen und sexuellen Übergriffen einschließlich Vergewaltigungen zu werden. Und auf den Straßen haben Jungs wie Rashid das Sagen, wo das Gesetz des Stärkeren gilt. Wer Schwäche zeigt ist gleich ein "Opfer". Zuhause wird nicht erzogen, sondern im Zweifel geschlagen – von Eltern, die meist arbeitslos und überfordert sind und nie in der deutschen Gesellschaft angekommen sind.


Cliquen geben Halt
Das Bewusstsein, in der "falschen Welt" zu leben, so Balci in einem Interview mit der Wochenzeitung "Das Parlament", hätten Kinder wie Rashid schon in der Grundschule. Mit zehn Jahren hätten sie häufig schon resigniert und bemühten sich gar nicht mehr, die andere Welt zu erreichen. Stattdessen suchten sie sich eine Clique, die ihr Schicksal teilt.

Balci beschreibt eindringlich, wie es statt Schulbesuch und sozialer Aufstieg zum obersten Ziel dieser Kinder und Jugendlichen wird, Angst und Schrecken zu verbreiten, um so die eigene Macht über andere zu vergrößern. Darin ist Rashid, der smarte Protagonist des Buches, zunächst auch ausgesprochen erfolgreich – bis er durch seine Drogensucht vom "King in Neukölln" selbst zum "Looser" wird. Als er seinen gesundheitlichen Abstieg nicht mehr verbergen kann, lassen ihn Aabid und all seine Kumpels wie eine heiße Kartoffel fallen. Nur seine Mutter Leila interessiert sich noch für ihn, als er schließlich aus dem Knast heraus abgeschoben wird. In der Fremde erkennt Rashid schließlich, dass Deutschland seine Heimat ist, nach der er sich jeden Tag mehr sehnt. Doch nun kann er nicht mehr zurück.


Meine Meinung zum Buch

"Arabboy" ist ein düsteres Buch. Auch, wenn es flott geschrieben ist, die vielen Darstellungen körperlicher und psychischer Gewalt verstören, genauso wie die scheinbare Zwangsläufigkeit, mit der sich die trostlosen Schicksale der vielen Rashids und deren Opfer wiederholen.

Es war sicher auch nicht das Ziel Balcis, Optimismus zu verbreiten. Ganz im Gegenteil: Balci wollte auf die Zustände in der Neuköllner "Parallelgesellschaft" aufmerksam machen. Denn sie weiß, wovon sie schreibt: Sie ist nicht nur im Rollbergviertel aufgewachsen, sie hat nach dem Abitur dort auch als Sozialarbeiterin in einem Jugend-Club gearbeitet. Als sie eines Tages selbst Gewalt anwenden musste, um ihre Kollegin vor einem Angreifer zu schützen, kapitulierte sie. Nach vier Jahren Engagement sah sie keinen Sinn mehr darin, mit Gesellschaftsspielen und warmen Tee gegen die Aggressionen von Jungs ohne Zukunft anzukämpfen.


Arabboy - Eine Jugend in Deutschland oder Das kurze Leben des Rashid A.
(288 Seiten)
Autor: Güner Yasemin Balci Interview
Verlag: Fischerverlag

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